Ratgeber: Carport selber bauen

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Carport-Bausatz oder Eigenbau?

Immer mehr Familien entscheiden sich mittlerweile zum Zweit- oder sogar Drittwagen. Beim Hausbau wurde aber oft nur ein Garagenplatz mit eingeplant. Wenn Sie aber trotzdem nicht auf den Vorteil eines überdachten Stellplatz verzichten wollen, dann kann ein Carport für Sie die Lösung sein. 

Die Vorteile eines überdachten Stellplatzes liegen klar auf der Hand. Ihr Wagen ist vor Schnee, Regen, Laub und Vogelkot geschützt. Im Sommer haben Sie ein kühles Auto und im Winter sparen Sie sich meistens das Eiskratzen. Egal ob als Bausatz oder im „Do-it-yourself-Verfahren“, Sie werden mit dem Carport viel Geld sparen im Vergleich zu einer Massivgarage. Und mit einem gekonnten Design oder edel ausschauenden Materialien können Sie Ihren neuen Carport zum Hingucker in der Nachbarschaft machen.

Planungen vor dem Bau des eigenen Carports - Baugenehmigung, Statik und mehr...

Wenn Sie sich für einen Carport entschieden haben, müssen Sie im Vorfeld einige bürokratische und technische Angelegenheiten klären, um spätere Probleme zu vermeiden.

1. Einholen einer Baugenehmigung für den Carport

Es kann zwar nicht pauschal gesagt werden, dass Sie für den Carport zwingend eine Baugenehmigung benötigen. Dies ist in den Landesbauordnungen und Gemeindeverordnungen der einzelnen Länder unterschiedlich geregelt. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie jedoch bei Ihrem Bauamt vorsprechen und alles absegnen lassen.

Ist für Ihr Vorhaben eine Baugenehmigung notwendig, benötigen Sie einige Unterlagen für das Bauamt:

  • Baubeschreibung Ihres Projekts

  • Bauzeichnung Maßstab 1:100

  • Statiknachweis

  • höchstens 2 Jahre alten Lageplan 1:500 (Katasteramt)

  • höchstens 2 Jahre alte Flurkarte (Katasteramt)

  • Antragsformular (Bauamt, Internet, Schreibwarenladen)

Baubeschreibung, Bauzeichnung und Statiknachweis bekommen Sie bei Bausätzen in der Regel direkt beim Hersteller. Wenn Sie Ihren Carport in Eigenregie planen, ist es sinnvoll für diese Punkte einen Fachmann zurate ziehen.

2. Bei Bau und Planungen auf die Grundstücksgrenzen achten

In den Bebauungsplänen der Gemeinden sind im Normalfall die Mindestabstände zur Grundstücksgrenze und die Bauhöhe geregelt. An diese sollten Sie sich auch strikt halten, um späteren Ärger oder Bußgelder zu vermeiden.

Auch wenn Sie alle Regeln einhalten werden, ist es sinnvoll Ihre Nachbarn von Ihren Plänen in Kenntnis zu setzen. Denn wenn Sie ihm die Aussicht verbauen, oder sein Gemüsebeet unfreiwillig beschatten, ist der Nachbarschaftsstreit vorprogrammiert.

3. Die richtigen Materialien für Carport und Untergrund wählen

Carports werden in den unterschiedlichen Materialien und Designs angeboten. Die gängigsten Materialien sind Holz und Metall. Aber auch eine Mischung der Werkstoffe mit einzelnen Glas- oder Sichtschutzwänden ist möglich.

Für den Eigenbau ist Holz erste Wahl, da es leicht zu bearbeiten ist und relativ wenig Spezialwerkzeug von Nöten ist. Bei der Auswahl des richtigen Holzes sollten Sie, aus ökologischer Sicht, auf heimische Hölzer, wie Lärche, Douglasie, Kiefer oder Eiche zurückgreifen. Nachteilig am Holz ist, dass der Holzschutz in regelmäßigen Abständen erneuert werden muss.

Für die Dachgestaltung Ihres Carports haben Sie ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Sie können das Dach mit PVC-Wellblechplatten, Dachziegeln oder Plexiglas verkleiden. Auch eine Photovoltaikanlage kann eine lohnenswerte Variante sein, insofern das Dach in die richtige Himmelsrichtung ausgerichtet ist. Oder Sie bepflanzen das Dach mit Blumen, Kräutern und Rankpflanzen.

Damit Sie Ihren Wagen sicher und sauber parken können, müssen Sie einen festen Untergrund haben. Auch hier gibt es mehrere Varianten und Gestaltungsmöglichkeiten. Sie können ein Fundament gießen, die Fläche pflastern oder teeren. Wollen Sie eine grüne Fläche unter dem Carport haben, können Sie Rasensteine verlegen. Je nach Auswahl der Materialien oder Verlegeart können Sie Ihren Stellplatz zu einem einzigartigen und exklusiven Parkplatz gestalten.

Carport-Bausatz oder Selbstbau in eigener Regie?

Auf den Markt gibt es unzählige, verschiedene Bausätze von modern bis rustikal. Aus Metall oder Holz, für einen oder zwei Pkws. Der klare Vorteil von Bausätzen ist, dass Sie sich nicht um Statik und Belastbarkeit kümmern müssen. In der Regel ist zudem gewährleistet, dass alle Bauteile zusammenpassen. Und wenn Sie den Bausatz mit eigenen Ideen, z. B. bei der Auswahl von Pflaster oder den Sichtschutzwänden bereichern, erhalten Sie Ihren einzigartigen, luxuriösen Stellplatz.

In den meisten Fällen werden Sie mit dem Eigenbau zwar Geld sparen, aber dafür haben Sie wahrscheinlich einen höheren Arbeitsaufwand. Das fängt bei der Planung an, geht bei den Behördengängen weiter, und hört beim Bauen auf. Wenn Sie davor aber nicht zurückschrecken und dazu noch handwerkliches Geschick haben, kann der Eigenbau eine ernst zunehmende Alternative sein. Sie können die Größe und Bauart frei bestimmen, auch zusätzliche Räume für Fahrräder, Werkzeuge oder Gartengeräte können mit eingeplant werden.

Einen Carport aufbauen – So kann es gelingen

Haben Sie alle Genehmigungen erhalten und die Vorbereitungen abgeschlossen, können Sie beginnen Ihren Carport aufzubauen.

Für den Bau benötigen Sie...

  • Spaten oder Minibagger

  • Rüttlerplatte, Abziehschiene

  • Gummihammer

  • Besen, Schaufel und Schubkarre

  • Bohrmaschine

  • Erdbohrer

  • Eimer, Zementrührer, Kelle für die Fundamente

  • Wasserwaage, Meterstab, Winkelmesser, Lot

  • Akkuschrauber, Säge, Stemmeisen

  • Lasurpinsel

Benötigtes Material für den Carport

  • Pflastersteine

  • Schotter, Kies und Quarzsand

  • H-Pfostenanker

  • Stützbalken Konstruktionsvollholz 160 mm x 160 mm

  • Dachbalken Konstruktionsvollholz 100 mm x 160 mm

  • Bretter 100 mm x 20 mm für den Sichtschutz

  • Montagewinkel, Montagelaschen und Schrauben aus Edelstahl oder feuerverzinktem Stahl

  • Befestigungsmaterial und Dichtelemente für Dachabdeckung

  • evtl. Dachverlattung für Ziegeldach

  • Lasur oder Hartöl

Den Untergrund richtig vorbereiten und die Pfostenanker setzen

Egal ob Sie sich für einen Bausatz oder den Eigenbau entschieden haben, müssen Sie zuerst den Untergrund vorbereiten.

  1. Damit das neu verlegte Pflaster keine Frost- oder Regenschäden bekommt, wird unter dem Pflaster eine ca. 30 cm tiefe Frostschutzschicht aus Schotter verlegt, zudem werden die Pflastersteine auf einer feinen Kiesschicht (etwa 5- 10 cm) verlegt. Deshalb müssen Sie die spätere Pflasterfläche ca. 40 cm tief mit dem Spaten oder Bagger ausheben.

  2. Im nächsten Schritt werden die H-Anker einbetoniert. Bohren Sie hierfür Löcher etwa 80 cm tief. Diese Löcher füllen Sie mit feinem verdichtetem Kies. Spannen Sie nun eine Richtschnur auf die Höhe des später verlegten Pflasters (leichtes Gefälle mit einplanen). Richten Sie nun alle Anker mit der Richtschnur und der Wasserwaage aus und betonieren Sie ein.

  3. Den Aushub füllen Sie nun mit ca. 30 cm Schotter und verdichten alles mit der Rüttlerplatte.

  4. Ist der Untergrund fest verdichtet, können Sie den feinen Kies aufbringen und ihn mit der Abziehschiene glatt ziehen.

Praxistipp: Wenn Sie Metallrohre im Kies verlegen, haben Sie für die Abziehschiene eine gleichmäßige Führung

  1. Jetzt können Sie beginnen die Pflastersteine zu verlegen und Sie mit dem Gummihammer immer wieder leicht festklopfen.

  2. Zum Schluss werden die Pflastersteine mit Sand versiegelt. Kehren Sie den Sand so lange in das Pflaster ein, bis die Fläche nichts mehr aufnimmt.

Den Carport selbst bauen – So gehen Sie vor

Der Boden ist jetzt so weit vorbereitet, dass der Carport aufgestellt werden kann. Bei einem Bausatz folgen Sie der Bauanleitung des Produkts. Haben Sie sich für den Selbstbau entschieden, können Sie wie folgt vorgehen.

  1. Das Dach des Carports sollte ein Gefälle von 15° - 20° haben. Zuerst sägen Sie die senkrechten Trägerbalken zu, und befestigen Sie in den H-Ankern. Zusätzlich sollten Sie die Pfosten mit Latten sichern, nachdem Sie ausgerichtet wurden, um sicher zu gehen, dass Sie bis zum Ende gerade stehen.

  2. Stehen die Pfosten, können Sie beginnen die Bretter für die Sichtschutzwände anzuschrauben. So bekommt Ihre Konstruktion gleich zu Beginn mehr Stabilität.

  3. Jetzt schrauben Sie die beiden quer liegenden Trägerbalken vorne und hinten auf die senkrechten Stützbalken. Verbinden Sie die Balken mit Montagewinkeln und sichern Sie mit einer langen Schraube, die Sie von oben in die Stützbalken schrauben. Ein Vorbohren der Schraubenlöcher ist hier sinnvoll.

  4. Dann können Sie die Dachbalken aufbringen. Sie können Nuten in die Balken einbringen, so dass Sie die Balken zusammenstecken können. Hier werden die Balken aber zusätzlich mit einer Schraube von oben gesichert. Eine andere Möglichkeit ist, die Balken mit je vier Montagewinkeln mit dem Trägerbalken zu verbinden. Der Abstand der Balken sollte dabei 60 cm nicht übersteigen. Montieren Sie die Balken so, dass Sie später Ihre Dachabdeckung passend auflegen können.

  5. Zusätzlich wird die Konstruktion mit Verstrebungen im 45° - Winkel gesichert. Damit sich die Verstrebungen nicht verdrehen können, stemmen Sie ein Zentimeter tiefe Nuten in die Trägerbalken und sichern die Verstrebungen wiederum mit langen Schrauben oder Montageeisen.

  6. Auf die Dachbalken schrauben Sie nun Ihre Dachabdeckungen oder Photovoltaikanlage fachgerecht, wie es in der Produktanleitung vorgeschrieben ist.

  7. Zum Abschluss tragen Sie den Holzschutz Ihrer Wahl auf das Holz auf.

Individuelle Gestaltungstipps für den fertigen Carport

Ist Ihr Carport soweit fertig aufgestellt, können Sie ihn mit kleinen Details in das Bild Ihres Hauses einpassen. Mit Pflanzen, Licht- oder Wasserelementen und etwas Kreativität machen Sie Ihren Carport zu einem Hingucker im edlen Look.

Mit farbiger Lasur oder Lacken können Sie das Holz des Carports individuell färben. Beim Pflaster können tolle Legemuster mit verschiedenfarbigen Steinen erreicht werden, oder vielleicht bauen Sie ein Mosaik ein. Metallteile können in Kontrastfarben zu den Holzfarben gehalten werden und mit Sichtschutzwänden setzen Sie weitere Akzente.

Legen Sie doch mehrere Blumenbeete um den Carport an, so haben Sie im Frühling und Sommer eine schöne Blütenpracht, wenn Sie zum Auto gehen.

Oder werten Sie Ihren Stellplatz mit Lichteffekten auf. Sie können Halogenstrahler, LED-Beleuchtung oder Solarbeleuchtung verwenden. Das schaut nicht nur gut aus, sondern hilft Ihnen auch am Abend wieder sicher ins Haus zu gelangen.

Haben Sie einen Gemüsegarten, können Sie überlegen, ob Sie den Carport zusätzlich mit einer Dachrinne ausstatten. Das gesammelte Wasser kann wunderbar zum Gießen verwendet werden.

Carport nicht nur ein Parkplatz fürs Auto

Sehen Sie den Carport nicht nur als Parkplatz fürs Auto. Mit ein paar kleinen Veränderungen können Sie einiges an Optik und Design herausholen und Sie werden noch mehr Freude daran haben. Denn dann bekommen Sie zu den ganzen praktischen Vorteilen, die ein Carport mit sich bringt, noch etwas Schönes fürs Auge, dass sich perfekt in Ihr Grundstück einpassen wird.

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